Die drei großen Namen der deutschen Blechspielzeug-Geschichte sind gut dokumentiert, und die Herstellerseiten zu Märklin, Bing und Lehmann zeigen Hunderte Stücke mit Originalnummern. Dieser Beitrag fasst die Merkmale zusammen, an denen man die Firmen auch ohne Katalog erkennt.
Märklin: Göppingen, seit 1859
Märklin begann mit Puppenküchen und wurde nach 1891 mit Eisenbahnen groß. Die frühe Marke ist ein eingeprägtes GM mit einem Zahnrad oder Zwischenzeichen, später ein Schild mit dem Schriftzug. Typisch sind massive Konstruktionen mit handlackierten Oberflächen bis in die zwanziger Jahre, erst danach kam die Lithografie in großem Stil. Märklin-Stücke sind schwerer als vergleichbare von Bing, die Achsen sind sauber vernietet, und die Kataloge waren so gut geführt, dass sich fast jede Nummer heute noch zuordnen lässt. Das Unternehmen existiert bis heute und dokumentiert seine Geschichte auf maerklin.de.
Bing: Nürnberg, der einstige Riese
- Marke: GBN für Gebrüder Bing Nürnberg, in den zwanziger Jahren BW für Bing-Werke, meist in einem kleinen Schild oder als Prägung.
- Bauweise: Leichter als Märklin, mit viel Lithografie und feineren Blechstärken. Bing produzierte in enormen Stückzahlen und für den Export, deshalb finden sich englische Beschriftungen auf Stücken, die in Deutschland verkauft wurden.
- Bing war vor dem Ersten Weltkrieg der größte Spielzeughersteller der Welt und ging 1932 in der Weltwirtschaftskrise unter. Alles mit Bing-Marke ist deshalb älter als 1933.
- Verwechslungsgefahr: Bing fertigte auch für andere Marken und Handelshäuser. Ein Stück ohne Marke, das wie Bing aussieht, kann eine Auftragsarbeit sein.
Lehmann: Brandenburg, mechanisches Blech
Ernst Paul Lehmann gründete 1881 in Brandenburg an der Havel eine Firma, die sich auf Blechspielzeug mit Uhrwerk und Schwungrad spezialisierte. Die Marke ist ein EPL in einem Glockenkörper oder einer Presse, oft mit dem Zusatz Marke Lehmann. Typisch sind Figuren mit exzentrischen Bewegungen, die Zebra-Kutsche, der tanzende Matrose, das Krokodil. Lehmann-Stücke sind fast immer lithografiert, oft mit Patenthinweisen in mehreren Sprachen auf dem Blech, weil die Firma sehr früh exportierte. Nach 1945 wurde der Betrieb enteignet, die Familie baute das Unternehmen in Nürnberg neu auf, dort entstand später die Lehmann-Gartenbahn.
DRGM, DRP und was die Nummern verraten
Viele Stücke tragen die Abkürzung DRGM für Deutsches Reichsgebrauchsmuster oder DRP für Deutsches Reichspatent. Beides gibt es nur zwischen 1891 und 1945, danach heißt es DBGM und DBP. Die Nummern lassen sich grob datieren, denn die Gebrauchsmuster wurden fortlaufend vergeben. Ein DRGM mit einer Nummer über eine Million stammt frühestens aus den späten zwanziger Jahren. Wer die Schutzrechte liest, erkennt außerdem Nachbauten: Ein Stück mit DRGM-Aufdruck, aber in Blechstärke und Lithografie der Nachkriegszeit, ist eine spätere Fertigung nach alten Werkzeugen.
Wenn die Marke fehlt
Nicht jedes Stück trägt eine Prägung, und bei manchen ist sie abgerieben oder übermalt. Dann helfen Nebenmerkmale: die Art der Radbefestigung, die Form der Laschen, mit denen die Blechteile verbunden sind, die Farbe der Innenseite und die Schrift auf Lithografien. Bing verwendete oft eine serifenlose Schrift auf Schildern, Märklin bevorzugte Handlackierung in Blau und Rot, Lehmann druckte Patenthinweise in mehreren Sprachen direkt auf das Blech. Ein Vergleich mit dokumentierten Stücken in der Datenbank grenzt den Hersteller in den meisten Fällen sicher ein.
Fazit: Marke prüfen, Gewicht fühlen, Datum eingrenzen
Die sichere Zuordnung beginnt bei der Prägung, führt über Bauweise und Gewicht und endet bei den Schutzrechtsnummern. Märklin ist schwer und solide, Bing leicht und vielfältig, Lehmann mechanisch und exzentrisch. Wer diese drei Profile im Kopf hat und die Marken kennt, erkennt auf dem Flohmarkt in wenigen Sekunden, ob der Preis zum Stück passt. Den Rest erledigt der Katalogvergleich zu Hause.
